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In Zeiten von Corona dynamisch agieren

Pandemien wie das Coronavirus stellen die Rettungsorganisationen schlagartig vor neue Herausforderungen. Wie man dynamisch agiert und trotzdem planvoll handelt, erzählt Johanniter-Einsatzleiter Tobias Schubert im Interview.

Österreich, 21. April 2020

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Tobias Schubert ist Mitarbeiter im Ausbildungszentrum der Johanniter in Wien und als Hauptinspektionsoffizier Einsatzleiter des „Einsatzstabes COVID19“.

Du bist Einsatzleiter der ersten Stunden, wie hast du die ersten Tage im Coronaeinsatz erlebt?

 

Zu Beginn war die Lage äußerst dynamisch. Diese Phase war von ständigen und schnellen Veränderungen geprägt. Wir sprechen hier von beinahe stündlicher Änderung der COVDI-19 Falldefinition und der  organisatorischen Abläufe in den Krankenhäusern und im Rettungsdienst.

 

Zunächst haben wir einen „Single Point of Contact“ eingerichtet, wo  alle Informationen das Thema „Coronavirus“ betreffend sowohl intern als auch extern zusammenlaufen. Diese Funktion habe ich am Anfang alleine wahrgenommen. Schnell wurde aber klar, dass die Flut an Informationen und Aufgaben für eine Person nicht mehr zu bewältigen sind.

 

Zur besseren Koordination haben wir einen einen Einsatzstab und eine Meldesammelstelle (MeSaSt) gebildet. Der Aufbau folgt dem staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagement (SKKM). Im Stab werden auftretende Aufgaben unter der Führung des diensthabenden Einsatzleiters in Sachgebieten wie Personal, Lage, Einsatz, Versorgung und so weiter- strukturiert abgearbeitet. Jetzt gibt es mehrmals täglich Lagevorträge und Koordinationsbesprechungen mit allen betroffenen Abteilungs- bzw. Fachbereichsleitern und der Geschäftsführung. Im Einsatzstab unterstützen uns viele ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

 

Welche Maßnahmen habt ihr weiters ergriffen? Wo liegen besondere Risiken oder Herausforderungen?

 

Eine besondere Herausforderung ist die Personalplanung. Aufgrund des Ansteckungsrisikos und notwendiger Quarantänemaßnahmen bei ungeschütztem Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall müssen wir mit großen Personalausfällen rechnen. Die Johanniter sind am Einsatzort oft die Ersten, die mit einem Patienten in Kontakt kommen, noch bevor festgestellt werden kann, ob es sich hierbei um einen Verdachtsfall handelt. Um entgegenzuwirken wurden in ganz Wien Vorsichtsmaßnahmen im Bereich Rettungsdienst und Krankentransport getroffen. Diese sind mit der Berufsrettung Wien und der Gesundheitsbehörde abgestimmt.

 

So werden beispielsweise bei jedem Patientenkontakt eine spezielle Schutzmaske mit Filter vom Typ FFP2, Schutzbrillen und Handschuhe getragen. Gibt es keinen Patientenkontakt werden konventionelle Mund-Nasen-Schutz-Masken getragen, um die Kolleginnen und Kollegen zu schützen. Weiters wurde die Besetzung der Fahrzeuge auf das notwendige Minimum reduziert, um eine Personalreserve bilden zu können.

 

Zudem wurden die verschiedenen Arbeitsbereiche möglichst scharf voneinander getrennt. Zur Einsatzzentrale, dem Herzstück der Kommunikation, hat beispielsweise kein anderer Mitarbeiter mehr Zugang. Auch Hygienemaßnahmen wurden auf der Station eingeführt. Beim Betreten der Rettungsstation müssen alle Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sofort die Hände desinfizieren und Masken tragen, außerdem wird die Temperatur gemessen, um intern Ansteckung zu vermeiden.  Mitarbeitende der Verwaltung und der Forschung sind Großteils ins Home-Office ausgelagert.

 

Zusammenhelfen in der Krise: Ehrenamtliche Sanitäter und Sanitäterinnen und ehemalige Zivildiener, die auch in der Katastrophenhilfe geschult sind, unterstützen den Einsatzstab der Johanniter. Sie helfen bei der Planung und Koordination der neuen Maßnahmen.

Wie erfolgt die Kommunikation und Koordination?

 

Gerade jetzt ist es wichtig, zusammenzuarbeiten und das Vorgehen, auch über die einzelne Rettungsorganisation hinausgehend, zu koordinieren. Daher finden auch Besprechungen mit der Stadt Wien und anderen krisenwichtigen Einrichtungen statt. Diese werden derzeit in Form von Videokonferenzen abgehalten, um die Hygienerichtlinien zu beachten.

 

Der in meinen Augen wichtigste Aspekt überhaupt ist ein Informationskonzept. Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen müssen zu jeder Zeit Zugang zu allen wesentlichen Informationen haben, und diesen Zugang auch kennen. Die Johanniter haben das über eine Onlineplattform und Infoboards auf den Rettungsstationen sichergestellt. Außerdem steht die Meldesammelstellte 24 Stunden, sieben Tage die Woche, auch für Anfragen von Kolleginnen und Kolleginnen offen. Die Meldesammelstelle kann jederzeit auch an den Einsatzleiter weiterverbinden. Zusätzlich haben wir bereits zwei Mal, mit Unterstützung unseres Chefarztes Dr. Rainer Thell, Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen abgehalten, wo es immer auch die Möglichkeit gab, Fragen zu stellen.

 

Wie sieht es mit der Schutzausrüstung aus?

 

Bei der Bewältigung der COVID-19-Lage liegt ein Schwerpunkt auf der Materialbeschaffung und der Logistik. Es muss zu jedem Zeitpunkt sichergestellt sein, dass alle Johanniter über die nötige Schutzausrüstung, wie Brille, Maske, Kittel, Handschuhe, und so weiter verfügen. Bei kontingentierten Lieferungen stellt die Verteilung eine große Herausforderung dar. Das Konzept wird täglich evaluiert und überarbeitet. Alleine in Wien, im Bereich Rettungsdienst & Krankentransport, gibt es rund 55 Dienstantritte pro Tag.

 

Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

 

Die Zusammenarbeit ist hervorragend. Alle Maßnahmen sind bisher kompetent und konsequent von allen Abteilungen – von der Einsatzzentrale, über den Rettungsdienst bis zur Pflege umgesetzt und mitgetragen worden. Jede und jeder Einzelne – egal ob hauptberuflicher Mitarbeiter, Ehrenamtlicher oder Zivildiener - leistet einen wertvollen Beitrag, da eine Kette immer nur so stark sein kann, wie ihr schwächstes Glied.