Unter der Leitung des AIT Austrian Institute of Technology (Center for Technology Experience) entwickeln die Partner Johanniter Österreich Ausbildung und Forschung und usecon GmbH innovative XR-Trainingskonzepte, um Einsatzkräfte besser auf solche Situationen vorzubereiten.
Diskriminierung ist kein Einzelfall
Die Befragung von 167 Rettungskräften aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zeigt: Diskriminierung gehört für viele zum Berufsalltag. Sie äußert sich meist nicht in offener Gewalt, sondern in subtilen Formen wie Respektlosigkeit, sexueller Belästigung oder Kompetenzabsprache – insbesondere im Kontakt mit Patient:innen und Angehörigen.
Zentrale Ergebnisse der GAIN-Studie
- Frauen berichten häufiger von abwertendem Verhalten & sexualisierten Kommentaren
- Jüngere Einsatzkräfte erleben besonders oft, dass ihre Kompetenz infrage gestellt wird
- Mikroaggressionen und Voreingenommenheit sind die häufigsten Formen
- Auch kleine, wiederholte Grenzverletzungen haben langfristige Auswirkungen
- Auswirkung: Belastung (Sprachlosigkeit, Unsicherheit) und
- Folgen: Kündigungsgedanken - jede zweite befragte Person hat zumindest gelegentlich darüber nachgedacht, den Rettungsdienst aufgrund solcher Erfahrungen zu verlassen.
Besonders kritisch ist Diskriminierung durch Kolleg:innen: Sie tritt seltener auf, wirkt aber deutlich stärker. Aber es zeigt sich: Ein starkes Teamklima mit Rückhalt, Vertrauen und gelebter Diversität wirkt als Schutzfaktor – es stärkt Handlungssicherheit und senkt Kündigungsabsichten.
Warum viele im Einsatz schweigen
- Fokus auf das Patient*innenwohl
- Zeitdruck und Stress
- Angst vor Eskalation
- Hierarchien im Team
- Wahrnehmung als „Teil des Jobs“
Viele Betroffene berichten von Unsicherheit oder der Sorge, negativ bewertet zu werden. Das zeigt: Es braucht mehr als individuelle Reaktion – es braucht strukturelle Vorbereitung.
Vorbereitung statt Improvisation: XR-Training soll Diskriminierung erlebbar machen
GAIN will Einsatzkräfte systematisch auf diskriminierende Situationen vorbereiten und Organisationen dabei unterstützen, aktiv gegenzusteuern. Ein zentraler Bestandteil ist dabei der Einsatz von Extended Reality (XR). In immersiven Szenarien werden diskriminierende Situationen nicht nur dargestellt, sondern erlebbar gemacht: Teilnehmende erleben, wie sich subtile Abwertung schrittweise entwickelt – unterstützt durch visuelle, akustische und haptische Effekte, die Gefühle wie Unsicherheit oder „Sich-klein-fühlen“ verstärken. Ziel ist es, Verständnis zu schaffen, Reflexion anzustoßen und konkrete Handlungsmöglichkeiten zu trainieren – sowohl für Betroffene als auch für Kolleg*innen. Die XR-Trainings werden derzeit gemeinsam mit Einsatzorganisationen entwickelt und sind Teil eines umfassenden Anti-Diskriminierungs- und Empowerment-Curriculums.
