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Warum engagierst du dich ehrenamtlich bei den Johannitern?
Meine Frau Rawya war 1984 auf Jobsuche und hat eine „unklar“ formulierte Anzeige im Bazar gelesen. Wir sind gemeinsam zu einem Informationsabend gegangen. Es hat sich schnell herausgestellt, dass Ehrenamtliche gesucht werden.
Nach einem 16-stündigen Erste-Hilfe-Kurs, beschlossen wir, den „Grundkurs“ (heute Rettungssanitäterkurs) zu besuchen und danach ein Jahr zu bleiben. Danach beschlossen wir, ein weiteres Jahr anzuhängen, da wir uns in dieser kleinen Organisation gut verstanden und wohl fühlten und, ganz wichtig, auch Freude an der Arbeit gefunden hatten. Und so blieben wir halt – und sind heute noch gerne dabei.
Was bringt das Ehrenamt beruflich wie privat?
Beruflich: absolut nichts – höchstens Ärger, wenn der Nachtdienst länger dauert und man morgens bereits müde und verspätet am Arbeitsplatz erscheint oder dringend Urlaub für einen Dienst oder eine Fernfahrt benö tigt. Privat: Zoff, wenn der Dienst länger als geplant dauert und das Abendessen kalt wird oder die Urlaubsplanung dem Dienstplan untergeordnet wird. Allgemein: man benötigt beruflich, wie privat, viel Verständnis der Vorgesetzten, wie auch der Familienangehörigen.
Was begeistert dich an den Johannitern?
Im Musical Anatevka fragen Tevje, der Milchmann, und Golde, seine Frau, einander: „Ist es Liebe?“ Dann lassen sie deren Ehe von Beginn an bis zur Gegenwart Revue passieren. Wenn ich nun mein Verhältnis zu den Johannitern Revue passieren lasse, komme ich zu folgendem Schluss: Ich darf hier seit bald 30 Jahren dabei sein und Menschen helfen, die in Not sind oder das Helfen erlernen wollen. Dabei denke ich an das etwa 5-jährige Migrantenmädchen, das sich von der Reanimationspuppe gar nicht trennen konnte, oder an jene 90-jährige Dame, die sich die Herz-Lungen-Wiederbelebung an der Puppe genau erklären ließ.
Ich denke aber auch an jene junge, akademisch gebildete iranische Migrantin, welche die einfachste Hilfe der Welt suchte – jemanden, der ihr zuhört - wenn sie über das schreckliche Erlebnis des verprügelt und vergewaltigt Werdens durch ihren Verlobten reden will – einfach nur reden, mit jemandem, der zuhört! Ich erinnere mich aber ebenso an Ausflüge mit der Sozial- und Behindertengruppe, etwa nach
Athen, an Einsätze im Katastrophenhilfsdienst oder im Präsentationsteam. Und wenn ich auch nur einem Menschen helfen konnte, hat sich die Mühe ganz sicher gelohnt!
Das Duett in Anatevka endet mit der Schlussfolgerung „…es muss ja Liebe sein!“. Und so ähnlich geht’s meiner Frau Rawya und mir mit unseren Johannitern auch.
Wolfgang Olbrich (64, Links im Bild), Pensionist, vorher in der Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau tätig, seit 27 Jahren für die Johanniter im Fahrdienst, im Katastrophenhilfsdienst, in der Sozial- und Behindertenarbeit, in der Jugendarbeit sowie im Präsentationsteam tätig.